Nachdem wir, das sind Skipper Karl-Heinz, Herbert, Fritz, Bernd und ich, unseren jährlichen Törn immer in der Ostsee gemacht hatten, fiel unsere Wahl dieses Jahr auf die türkische Küste. Wir suchten auf der "Boot" in Düsseldorf nach einem geeigneten Vercharterer und lernten "Berni", Bernhard Blaha, kennen. Dieser leitet die Charterbasis Marmaris des Internationalen Yachtclubs, IYC, in der Netsel Marina. Er konnte uns noch einige Schiffe in unterschiedlicher Größe und Preislage anbieten. Das Schiff unserer Wahl war eine Bavaria 38 L, Ariane, etwas älteren Baujahrs, dafür aber um so preisgünstiger.
Karl-Heinz kümmerte sich um günstige Flüge nach Dalaman, was im Januar 99 noch ziemlich schwierig war. Wir mußten montags fliegen, weil samstags alles ausgebucht war. (Als wir dann Mitte April flogen, wollte kaum mehr jemand in die Türkei. Obwohl die Maschine Fluggäste aus ganz Deutschland sammelte, war sie trotzdem nicht voll.)
Die Törnvorbereitung machte wie immer ich, weil mir das sehr viel Spaß macht. Von einem Vereinskollegen bekam ich eine alte Seekarte - 314 Bodrum bis Fethiye. Dazu besorgte ich mir das Handbuch "Türkische Küste, Ostgriechische Inseln" von Andrea Horn / Wyn Hoop. Dieses Buch leistete außerordentlich gute Dienste, ich kann es nur empfehlen.
Die erste Schwierigkeit war das Einpacken. Bisher waren wir immer mit dem Auto zum Segeln gefahren, da
spielten ein paar Kilogramm mehr oder weniger Gepäck keine Rolle. Aber diesmal wollten wir ja fliegen.
Außerdem sollte das Wasser Ende April an der türkischen Küste noch ziemlich kalt sein, so 17 bis 19 Grad.
Es mußte also auch warme Kleidung mitgenommen werden. Als alles in der Reisetasche verstaut war, brachte
diese knapp 30 kg auf die Waage.
Zunächst kam alles Schwere, wie Weltempfänger, Fernglas, Garmin, Ersatzbatterien usw. in das Handgepäck;
die Ersatzbordschuhe und einige andere Kleidungsstücke blieben zu Hause, und die Ölzeugjacke mußte als
Ausgehjacke herhalten und wurde gleich angezogen. Ein bißchen mehr als 20 kg waren es dann immer noch,
aber die Fluggesellschaft war sehr tolerant.
Wegen des "Fluggäste Sammelns" kamen wir erst spät in der Nacht in Dalaman an. Dort wurden wir schon von einem freundlichen Fahrer erwartet, der uns nach Marmaris an unser Schiff brachte.
Am anderen Morgen schliefen wir erst einmal ordentlich aus und frühstückten dann in einem Restaurant innerhalb der Marina. Danach checkten wir das Schiff anhand einer Checkliste, die ich im Internet gefunden und etwas an meinen Geschmack angepaßt hatte. Als Berni dann zur Übernahme kam, ging daher alles recht schnell vonstatten.
Eingekauft hatten wir - viel zu teuer - in einem kleinen Supermarkt am Hafen, der auch alles ans Schiff lieferte.
Kurz nach 12 Uhr wollten wir auslaufen. Der Motor lief bereits warm, als wir noch eimal das Ruder
kontrollierten. Es ließ sich von hart Backbord bis knapp mittschiffs bewegen, dann ging nichts mehr.
Dabei hatte es sich doch vorher ganz normal bewegen lassen!
Der Grund war eine unsachgemäß installierte Kompaßbeleuchtung. Das Kabel der Beleuchtung kommt unten
aus dem Kompaßgehäuse, das als Deckel für das Umlenkgetriebe des Steuerrades dient, heraus. Dort war es
anläßlich einer Neuverkabelung mit einer Lüsterklemme mit dem neuen Kabel verbunden worden. Diese
Lüsterklemme war zwischen Ritzel und Tellerradsegment des Getriebes geraten und blockierte so die
Ruderbewegung. Die Lüsterklemme wurde durch Preßklemmen ersetzt, die mit einer kleinen Blechschraube am
Kompaßgehäuse gesichert wurden.
Um 13:10 Uhr ging es dann endlich los. Gleich außerhalb des Hafens setzten wir bei strahlendem Sonnenschein und gut 3 Bft. die Segel. Das Schiff lief hervorragend. Die Bavaria 38 L ist etwas schmaler gebaut als die neuere 38 H. Das wirkt sich einerseits gut auf die Segeleigenschaften aus; andererseits ist es im Salon und in den Kojen ein wenig enger. Für uns fünf reichte der Platz aber.
In der Durchfahrt zwischen Keci und Yildiz Adasi war der Wind erwartungsgemäß sehr böig und drehte stark. Nachdem wir nach einigen Wenden und Halsen nicht so recht vorwärts kamen, nahmen wir den Motor kurz zu Hilfe und ließen uns durchschieben. Außerhalb der Durchfahrt paddelte uns dann etwas entgegen, das sich als eine große Wasserschildkröte entpuppte.
Kurz nach 19 Uhr bargen wir vor unserem Tagesziel, der Bucht Ciftlick Limani, die Segel. In der Einfahrt fegte eine Fallböe über das Wasser, das in einem Bereich von vielleicht 100 Quadratmeter geradezu zu kochen schien. In der Bucht war es nicht viel ruhiger - keine guten Aussichten für die Nacht; Ankerwache war angesagt!
Das erste Ankermanöver mißlang; der Anker hielt nicht. Als Zugabe streikte die elektrische Ankerwinsch. Auch mechanisch ließ sie sich nicht bewegen. Also mußten wir die Kette Hand über Hand einholen. Sie ist 50 m lang; da weiß man hinterher mit langen Armen und weichen Knien, was man geschafft hat. Glücklicherweise hielt der Anker beim zweiten Versuch.
Die Fallböen ließen das Schiff immer wieder erzittern und stark schwojen. An Backbord voraus lag eine Mooringboje, die zu einem so früh in der Saison noch nicht wieder belegten Metallsteg gehörte. Dorthin brachten wir mit dem Dinghi eine lange Leine aus. Nun schwojte das Schiff nicht mehr so stark, und wir fühlten uns etwas sicherer. Die Leine zur Mooring sollte am späten Abend aber noch zu Schwierigkeiten führen. Zum Abendessen gab es Bohnen.
Gegen 20:30 Uhr verließ eine andere Yacht ihren Ankerplatz, wohl um sich einen besseren zu suchen. Bei
dieser Suche kam sie unserer Mooringleine bedenklich nahe. Die Leine war schlecht zu sehen, weil sie,
wenn sie durch eine Böe auf Spannung kam, die Mooringboje unter Wasser zog. Alles Winken und Rufen war
vergeblich; plötzlich blieb die Yacht etwa dort, wo wir die Mooringboje vermuteten, stehen. Sie hatte wahrscheinlich unsere Mooringleine in die Schraube bekommen. An der Leine war aber nichts zu bemerken;
wir schwojten nach wie vor auf der einen Seite um die Mooring, auf der anderen um unseren Anker.
Fritz und Karl-Heinz fuhren später mit den Dinghi hinüber, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Da wir
unserer Mooringleine ohnehin nicht mehr trauen konnten, warfen wir sie los, damit nicht zwei Schiffe an
der Mooring zerrten.
Nach dem Frühstück zog Fritz seinen Trockenanzug an, den er zum Surfen mitgenommen hatte, und fuhr mit Herbert und Karl-Heinz zu unseren Nachbarn. Trotz guter Entlüftung war das Tauchen im Trockenanzug äußerst schwierig. Es gelang Fritz, eine Leine an der Mooringkette anzustecken, an der er sich bei den folgenden Tauchgängen hinunterziehen konnte. Nach gut zwei Stunden harter Arbeit, unterbrochen nur durch kurze Aufwärmpausen, war es dann geschafft: der Nachbar war wieder frei! Obwohl sich die Mooringkette um die Welle gewickelt hatte, bis sie durch die Boje gestoppt worden war, war die Welle unversehrt geblieben.
Um 11:30 Uhr verließen wir Ciftlick Limani mit Ziel Bozuk Bükü. Der Himmel war wieder wolkenlos; der Wind wehte mit ca. 4 Bft. aus NW und nahm ständig zu. Wir mußten kreuzen und banden bald das 1. Reff ins Groß. In der Rhodos-Straße herrschte ziemlich hoher Seegang, deshalb legten wir unsere Kreuzschläge näher an die Küste. Dort war zwar die See ruhiger, dafür war aber der Wind böiger.
Gegen 19:30 Uhr kamen wir an unserem Ziel an. Die Enfahrt in den Naturhafen Bozuk Bükü ist von See aus nur schwer auszumachen. Erst die Burgruine wies uns den Weg.
Beim ersten Ankermanöver fiel das Eisen ins Kraut und hielt nicht. Wir hatten den Fehler an der Ankerwinsch noch nicht gefunden, mußten die Kette also wieder Hand über Hand einholen. Diese Tätigkeit sollten wir auf diesem Törn noch öfters ausüben können. Wir wollten den Anker gerade wieder fallen lassen, als wir den Wirt des Restaurants an der Nordseite der Bucht auf seinem Steg winken sahen. Da wir ohnehin abends dort essen wollten, fuhren wir hin und machten an seiner Mooring mit dem Bug zum Steg fest.
Wir wurden sehr herzlich empfangen. Der Wirt hatte gerade heute die Saison eröffnet und wir waren die ersten Gäste. Obwohl wir uns mit dem noch kleinen Angebot an Speisen begnügen mußten, war das Essen ausgezeichnet und der Raki noch besser. Wir feierten mit "Familienanschluß" bis spät in die Nacht.
Bilder von Bozuk Bükü und von der Wanderung zur BozukkaleAm anderen Morgen setzte uns der Wirt mit seinem Boot quer über die Bucht zum Besuch der Ruine. Er führte uns auch nach oben, konnte aber - nicht nur wegen Verständigungsschwierigkeiten - nicht viel erklären. Ein Besuch der Ruine lohnt sich aber allemal! Die Aussicht über die Bucht und über die Straße von Rhodos ist beeindruckend. Die nicht besonders gut erhaltene Ruine selbst besticht durch die großen Steinblöcke, die von Steinmetzen ohne Mörtel exakt aneinandergefügt worden sind. Jetzt - Ende April - stand auch die Makkia in voller Blüte, eine Freude für alle Sinne.
Kurz vor 11 Uhr legten wir ab Richtung Bozburun, das seit neuestem Yesilova heißt. Nach zwei Nächten unter sehr einfachen Verhältnissen sollte nun wieder ein richtiger Hafen dran sein! Das Wetter war wiederum freundlich, der Wind wehte mit 3 bis 4 Bft. aus NW. Wir machten einen langen Schlag in Richtung der griechischen Insel Symi, bis wir Yesilova Körfezi anliegen konnten. Im Bereich des Kaps Kizil nahm der Wind durch den Kapeffekt so zu, daß wir beinahe noch hätten reffen müssen. Dann waren wir aber vorbei und konnten abfallen.
Der Hafen von Bozburun war voll. Überall lagen Gulets, die für die Saison auf Hochglanz gebracht wurden. Nach einigem Suchen fanden wir dann doch noch ein Plätzchen und legten römisch katholisch an. Die Ankerwinsch funktionierte nun wieder. Die Steuerleitung war an einer Stelle durchkorrodiert gewesen. Nach Bozburun wollte uns Berni auch den Gabelbaum für die Surfausrüstung bringen, den wir in Marmaris vergessen hatten. Am Abend kam er dann mit drei Leuten an und brachte uns das von Fritz sehnlichst erwartete Teil.
Das Örtchen ist noch sehr urtümlich; nur am Hafen breitet sich langsam das Tourismusgeschäft aus. Die meisten Restaurants bieten heiße Duschen für Segler an. Der Wirt von Bozuk Bükü hatte uns Osmanīs Restaurant empfohlen. Dort duschten wir und aßen hervorragend zu abend. Osman, der Wirt, zeigte uns ganz stolz zwei schon sehr mitgenommene Bücher, ein englisches und ein deutsches, in denen er mit bekannten Seglern abgebildet war. Auf der Rückseite seiner Visitenkarte steht geschrieben:
Osman has been service to Turkish tourism
since 1980 at the Bozburun Peninsula.
He had been good serviced all the tourist
with his Clear heart and good intention.
He enjoy his life and he is woman izer.
In Osmans Palace Restaurant trafen wir "Rotkäppchen", einen nicht bei allen Seglern gern gesehenen Bootsbauer, der in Bozburun mit seinem Auftraggeber einen Kat baut. Rotkäppchen empfahl uns, auf dem Rückweg unbedingt die griechische Insel Nisyros anzulaufen, und zwar den östlichen Hafen Pali. Dort sollten wir Mopeds mieten und den Vulkankrater besuchen.
Das Frühstück nahmen wir im Bozburun Restaurant ein. Von dort hatten wir den Landstrom bekommen, weil unser Kabel nicht bis zum nächsten öffentlichen Anschluß gereicht hatte.
Um 10:30 Uhr legten wir ab. Unser Ziel war Keci Bükü, eine große nach SSE eingeschnittene Bucht im Osten des Hisarönü Körfezi. Das Wetter war immer noch gut, aber mit dem stetigen Wind war es nun vorbei. Es herrschten umlaufende Winde mit 1 bis 2 Bft. Wir mußten an diesem Tag einige Zeit unter Maschine fahren.
Gegen 15 Uhr liefen wir in die Bucht ein; vorbei an der halbfertigen Bay Marina am Ostufer der Bucht und um die durch einen rötlichen Streifen im Wasser zu erahnende Sandbank, die an ihrer Südspitze mit einer Tonne bezeichnet ist, herum. Wir wollten an Dogans Steg anlegen. Das ist ein langer T-Steg, an dessen Wurzel das fast neue Restaurant Palmiye liegt.
Dort und an anderen Stegen hatte man uns bereits bemerkt und schlug, wild gestikulierend, mit den Mooringleinen auf das Wasser, um uns anzulocken. Was man dabei rief (vermutlich "Hot shower!"), konnten wir nicht
verstehen. Da wir uns bereits für einen Anlegeplatz entschieden hatten, ignorierten wir das Rufen und
Winken und legten bei Dogan mit dem Heck zum Steg und der Mooringleine am Bug an.
Die Entscheidung erwies sich zumindest als nicht falsch; wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Auch das Essen war ausgezeichnet und angemessen im Preis. Für den anderen Tag wurde uns angeboten, einen Ausflug mit dem Kleinbus zu einer Moschee, einem Wasserfall und einer Teppichknüpferei zu machen (DM 10.- pro Kopf).
Wir entschlossen uns, einen Hafentag einzulegen; bot uns der Ausflug doch die Gelegenheit, auch das Hinterland wenigstens ein wenig kennenzulernen. Außerdem kamen wir dadurch doch noch zu der ersehnten Lammkeule, die nur nach Vorbestellung zu haben ist.
Nachdem wir vom Ausflug zurückgekehrt waren, lieh uns Dogan sein Motorboot, mit dem wir zu dem kleinen in der Bucht liegenden Inselchen mit dem zerfallenen Kastell fuhren. Der Weg nach oben war wegen der wild wuchernden Makkia ziemlich beschwerlich; doch der Ausblick, den wir dann auf die Bucht hatten, entschädigte für alle Mühen.
Das Restaurant Palmiye bietet auch einige sehr hübsche, ganz neu eingerichtete Zimmer und einen Swimmingpool. Hier kann man sicher einen sehr geruhsamen Urlaub verbringen.
Nach dem wir bei Dogan ausgiebig gefrühstückt hatten, legten wir gegen 10 Uhr mit Ziel Datca ab. Das Wetter war immer noch klar mit umlaufenden Winden um 2 Bft.
Außerhalb der Bucht setzten wir Segel und versuchten, die Windlupe zu kalibrieren. Dazu fährt man auf dem einen Bug möglichst hoch am Wind und speichert diesen Kurs. Dann wendet man und fährt auf dem anderen Bug ebenfalls möglichst hoch am Wind. Nach einem weiteren Knopfdruck sollte dann die Lupe genau symmetrisch eingestellt sein. Symmetrisch war sie auch; nur vorne und hinten war immer noch vertauscht. Dafür habe ich in der Betriebsanleitung keine Einstellmöglichkeit gefunden. Vermutlich ist der Anschluß des Gebers falsch gepolt worden.
Um 17:40 Uhr liefen wir in Datca ein. Wir legten, wie üblich, röm. kath, an. Sofort waren auf dem Kai einige freundliche Leute da, die uns helfen wollten und ihre Geschäfte bzw. Restaurants anpriesen. Daran muß man sich in der Türkei gewöhnen.
Datca ist ein nettes Örtchen; zumindest um den Hafen herum. Jetzt, so früh in der Saison war es auch nicht von vielen Touristen überschwemmt. In den Sommermonaten wird das wohl anders sein. Die Sanitäranlagen im Hafen lassen allerdings sehr zu wünschen übrig.
Weitere Bilder von DatcaWir verließen Datca kurz vor 11 Uhr mit Ziel Knidos. Das Wetter war nicht mehr schön. Es zog eine Front auf. Der Himmel war gegen 12 Uhr vollständig bedeckt und es gab Schauerböen mit etwa 5 Bft. Zum Glück waren die Schauer immer nur kurz, so daß wir nicht sehr naß wurden. Der Wind kam aus westlicher Richtung, und wir mußten kreuzen. Nach kurzer Aufhellung, während der wir wieder ausreffen konnten, war der Himmel gegen 14:30 Uhr wieder vollständig bedeckt und es blies wieder mit ca. 5 Bft. aus West. Wir mußten aufpassen und unsere Kreuzschläge so legen, daß wir nicht in eines der eingelagerten Gewitter gerieten.
Um 18 Uhr liefen wir in den Südhafen von Knidos ein. Hinter der Front war es wieder wolkenlos; so schnell kann sich hier das Wetter ändern. Wir wollten vor Buganker mit dem Heck am Steg des Restaurants anlegen. Hier lagen schon eine Yacht und zwei Gulets. Leider hielt der Anker bei zwei Versuchen nicht. Die Ankerwinsch funktionierte schon wieder nicht mehr; das gibt Muskeln.
Schließlich legten wir uns längsseits hinter den T-Steg, wohin uns der Wirt von Anfang an haben wollte.
Bei der Crew, die nach uns kam, hielt der Anker auf Anhieb - bei denen funktionierte sicher auch die Ankerwinsch.
Der Wirt des Restaurants hatte am Steg mit dem Dreispitz einen Barakuda erlegt. Den bot er uns zum Abendessen an. Er schmeckte ausgezeichnet, war aber sündteuer. Gegrillt hatte ihn der Museumswärter von Knidos; auch der Kommandant des Gendarmeriepostens war mit dabei. Auf Knidos fühlen sich alle wie eine große Familie.
Bilder von KnidosNach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg, die Ruinen von Knidos zu erkunden. Der Museumswärter war gleich zur Stelle und kassierte das Eintrittsgeld; dafür bekamen wir aber auch eine kleine Beschreibung.
Um 11:30 Uhr legten wir ab. Eigentlich wollten wir noch eine Station im Gökova Körfezi machen, wegen des Hafentags in Keci Bükü war das aber nicht mehr drin. Wir segelten direkt nach Bodrum. Nach wenigen Metern konnten wir die Genua setzen und vor dem Wind den Südhafen von Knidos verlassen. Draußen setzten wir das Groß gleich mit dem ersten Reff, weil durch den Kapeffekt Böen mit ca. 5 Bft. einfielen. Außerhalb des Einflußbereiches des Kaps waren es dann nur noch 3 Bft., und wir konnten ausreffen. Der Wind nahm aber immer mehr zu. Gegen 14 Uhr banden wir das erste und kurz darauf das zweite Reff ein. Um 15 Uhr liefen wir mit 2 Reffs im Groß (ein drittes Reff war nicht vorgesehen) und nur etwa einem Drittel der Genua bei halbem Wind nahezu Rumpfgeschwindigkeit. So macht Segeln Spaß!
Gegen 17 Uhr liefen wir in Bodrum ein. Dort wurden wir gleich von einem Motorboot mit Marinapersonal empfangen und an einen Liegeplatz geleitet. Solcher Service muß auch bezahlt werden. Hier in Bodrum muß alles seine Ordnung haben; deshalb mußten wir hier - und nur hier während des ganzen Törns - jede Menge Papierkram ausfüllen.
Bodrum ist eine schöne Stadt. Wir entschlossen uns deshalb, auch hier einen Hafentag einzulegen. (Böse Zungen behaupten, daß an dieser Entscheidung der Raki des Vorabends nicht ganz unbeteiligt gewesen sei.)
Wir hätten gerne das Museum in der Festung besucht, kamen aber zu spät dorthin. Das Museum schließt
bereits um 17 Uhr.
Wir entschlossen uns, der Empfehlung Rotkäppchens zu folgen und Nisyros anzulaufen. Da unser Schiff unter schwedischer Flagge fuhr, erwarteten wir keine Probleme. Sicherheitshalber fragte ich noch telefonisch beim Vercharterer an; der sah da aber auch keine Schwierigkeiten.
Wir legten um 8:30 Uhr in Bodrum ab. Marinapersonal übernahm die Mooringleine mit dem Motorboot. Der Himmel war bedeckt es herrschte NW-Wind mit ca. 3 Bft. Kurz außerhalb des Hafens setzten wir die Segel. Es versprach wieder ein schöner Segeltag zu werden. Um 14 Uhr bargen wir die Segel vor dem Hafen von Pali und liefen unter Motor ein.
Der Anker hielt diesmal beim ersten Versuch - aber die Kette war zu kurz! Am Ende fehlten gerade eineinhalb Meter. Beim zweiten Mal ging dann alles glatt.
Wir mieteten uns Mopeds und fuhren die Bergstraße hoch zum Krater; ein Riesenspaß! Das sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.
Der Krater selbst ist außerordentlich interessant. Überall faucht und dampft es und stinkt nach Schwefel. An den Öffnungen, aus denen die Gase austreten, bilden sich spitze gelbe Schwefelkristalle. Ich hätte da nicht hinfassen sollen - der Dampf kommt mit ca. 98 Grad aus der Erde.
Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Dörfer Emporio und Nikia, die beide direkt über dem Kraterrand liegen. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick auf den Krater und auf die umliegenden Inseln. Leider war das Wetter inzwischen leicht diesig geworden.
Bilder vom Vulkankrater und von den DörfernDas Abendessen nahmen wir in einem gemütlichen Restaurant am Hafen ein. Wir gingen einfach dorthin, wo die meisten Einheimischen saßen. Das ist meistens die beste Adresse.
Wir legten um 9:40 Uhr ab. Es war diesig und fast windstill. Um 13 Uhr sahen wir eine Delphin - Schule vorbeiziehen. Wir stellten den Motor ab und blieben stehen. Die Delphine ließen sich aber nicht mehr blicken. Gegen 14 Uhr kam von achtern leichter Wind auf. Wir setzten die Segel und baumten die Genua aus. So machten wir ca. 3 kn Fahrt. Mit dem Motor hätten wir zwar einen Knoten mehr Fahrt gemacht, aber die Ruhe unter Segeln ließ uns gerne darauf verzichten.
Gegen 16 Uhr streikten dann unsere Instrumente. Durch die Hitze oder durch die Sonnenstrahlung wurden die Anzeigen immer dunkler, bis nach wenigen Minuten alle Instrumente schwarz waren. Ich habe ähnliches auch schon bei meiner Armbanduhr beobachtet. Nach Abkühlung war dann alles wieder o.k. Bei einer Armbanduhr mag das ja gerade noch angehen; bei den Anzeigen auf einer Yacht sind derartige LCD-Anzeigen aber vollkommen ungeeignet. Man kann ja nicht gut einen Sonnenschirm für die Instrumente ins Cockpit stellen.
Kurz vor 18 Uhr liefen wir in Panormitis ein. Auch hier ist die Einfahrt aus der Ferne kaum zu erkennen. Am besten richtet man sich nach der Stelle, an der die gut sichtbareTrasse einer Straße die tiefste Stelle erreicht. Die im Handbuch beschriebene auffällige Windmühle ist uns erst aufgefallen, als wir schon fast in der Einfahrt waren.
Es lagen schon einige Yachten in der Bucht vor Anker. Wir wollten röm. kath. an der Ostseite des Steges festmachen, der für die Fähren vorgesehen ist. Natürlich erwies sich beim ersten Ankerversuch die Ankerkette wiederum als zu kurz. Beim zweiten Mal klappte dann aber alles.
An Land und im Restaurant war absolut nichts los. Wir waren lange Zeit die einzigen Gäste. Das Essen war nicht besonders gut und auch nicht billig. Das kommt vermutlich von den vielen Wallfahrern, die hier regelmäßig ankommen.
Später kamen dann doch noch zwei Gäste. Es stellte sich heraus, daß es zwei Deutsche waren: Jutta und Heiko, die ihren Hausstand aufgelöst hatten und nun auf ihrer Momo, einer Alu-Yacht, lebten. Das Gespräch mit den beiden war sehr interessant und wir klönten auf unserer Yacht noch ein bißchen weiter.
Am anderen Morgen legten wir erst um 10:30 Uhr ab. Keinen Augenblick zu früh, denn wir hatten den Anker gerade wieder an Bord, als die erste Fähre einlief. Auch die Momo ging ankerauf. Beim Passieren überreichte uns Jutta noch den neuesten Wetterbericht; dann trennten sich unsere Wege wieder. Als wir die Bucht verlassen wollten, kam eine zweite Fähre an, so daß wir etwas warten mußten. Wir hatten die Ausfahrt kaum hinter uns, da sahen wir eine dritte und eine vierte Fähre herankommen. Da mußte ganz schön was los sein in Panormitis! Wir waren jedenfalls froh, daß wir wieder fort waren.
Unser heutiges Ziel war die Bucht Serce Limani. Der Himmel war wieder wolkenlos, aber es regte sich kein Lüftchen; so mußten wir die ganze Strecke motoren. Unser Ziel war aber nicht weit, und wir liefen bereits nach drei Stunden in die Bucht ein.Auch hier gilt, daß die Einfahrt, insbesonders wenn man aus Westen kommt, erst zu sehen ist, wenn man bereits davorsteht. Von Osten kommend sieht man sie wohl etwas eher.
Die Bucht ist ein landschaftliches Erlebnis, das sich niemand, der in dieser Gegend segelt, entgehen lassen sollte. Wir nahmen eine Mooring des Restaurants im Nordteil der Bucht auf, und der Wirt brachte mit seinem Boot eine lange Landleine ans westliche Ufer aus. Wir waren zwar etwas skeptisch, ob die Moorings auch fest genug wären; aber es herrschte fast Windstille und es war keine Wetteränderung zu erwarten.
Den Preis für das Abendessen - es gab ausgezeichnet schmeckenden Fisch - hatten wir vorher mit dem Wirt abgesprochen, hatten aber die Getränke vergessen. Erst nach längerer Diskussion sah der Wirt ein, daß fast 10 DM für ein Bier etwas übertrieben ist.
Bilder von Serce LimaniUm 7:30 Uhr machten wir die Leinen los und verließen Serce Limani. Es war leicht bewölkt und nahezu windstill. Erst nachdem wir bereits fast zwei Drittel des Weges zurückgelegt hatten, konnten wir vor Kap Kardirga Segel setzen. In der Gegenrichtung war reger Verkehr von Segelyachten zu beobachten. Der Wind kam mit 1 - 2 Bft. von Südosten und wir mußten fast platt vor den Laken fahren.
Die Instrumente zeigten auch heute wieder Ermüdungserscheinungen.
Um 13:50 Uhr bargen wir vor dem Hafen Marmaris zum letzten Mal die Segel und fuhren zum Tanken. An der Tankstelle herrschte ziemlicher Andrang und wir mußten Kringel drehend warten. Um 15 Uhr legten wir dann endgültig in der Netsel Marina an. Ein wunderschöner Törn war zu Ende gegangen.
In den letzten beiden Wochen hatten wir insgesamt 264 sm zurückgelegt, 167 unter Segeln, 97 unter Motor.
Die Übergabe des Schiffes ging sehr rasch über die Bühne, und wir hatten Zeit, die Stadt zu besichtigen. Nach dem Abendessen erwartete uns noch eine Überraschung: im Salon fanden wir eine Nachricht des Vercharterers. Wir sollten morgen nicht zu früh aufstehen, denn unsere Flüge seien von 11:40 Uhr auf 16 Uhr Ortszeit verschoben worden. Das dicke Ende kam dann hinterher: wir sollten nicht nach Frankfurt fliegen sondern nach Düsseldorf. Von dort würden wir dann mit einem Bus nach Frankfurt gebracht. Dort kamen wir nachts um 3 Uhr an.
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Zum Schluß noch ein paar Bilder von Marmaris |
sämtliche Bilder als Tumbnails |
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