Unser Törn nach Christiansø


Inhalt


Von Burgtiefe nach Klintholm

Von Klintholm nach Ystad

Von Ystad nach Simrishamn

Von Simrishamn nach Christiansø

Von Christiansø nach Hasle

Von Hasle nach Klintholm

Von Klintholm nach Burgtiefe


Am Freitag, den 6. Juni 1997, war es wieder soweit. Wie in den vergangenen drei Jahren hatten wir in der 24. Kalenderwoche unseren Ostsee-Törn geplant. Wir, das sind Fritz, Herbert, Karl, unser Skipper, und ich, der Navigator.
Gechartert hatten wir in Burgtiefe bei der Fa. Stier. Die Schiffe, die wir dort in den vergangenen drei Jahren bekommen hatten (jedes Jahr ein anderes), waren immer sehr gut ausgerüstet; die letzten zwei auch mit Radar.
Dieses Jahr charterten wir eine ELAN 431 mit dem Namen ATARAXIA.
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Der erste Abschnitt
von Burgtiefe nach Klintholm
(63 Meilen)


Am Freitag gegen 16 Uhr übernahmen wir das Schiff, das für die nächsten 10 Tage unser Zuhause sein sollte. Nach dem Stauen checkten wir alles durch, aßen gut zu abend und liefen um 21.30 Uhr mit Ziel Klintholm aus.
Die Nachtfahrt war notwendig, weil die Strecke nach Christiansø doch etwas weit für die uns zur Verfügung stehende Zeit war. Damals glaubten wir, daß wir am Sonntag, den 15. Juni, zurück sein mußten, das war etwas knapp bemesen.

Der Wind wehte mit ca. 4 Bft. aus Ost und zwang uns zunächst zu einem Holeschlag in Richtung Wismar. Kurz bevor es dunkel wurde, verringerten wir die Segelfläche (1. Reff, Genua halb eingerollt), um die Krängung zu verringern und um in der Nacht keine Probleme zu bekommen. Die Sicht war bei sternklarem Himmel ausgezeichnet, und wir konnten mit einer wunderschönen Segelnacht rechnen. Gegen 1 Uhr wendeten wir und konnten Kurs auf Trindelen S nehmen.
In dieser Nacht habe ich das erste Mal bewußt das "zusätzliche Seglerlicht" - rot über grün - gesehen, welches von einem größeren Segler gezeigt wurde. Wenn ich einmal eine eigene Yacht besitzen sollte, werde ich diese Lichter auch führen! Aber dazu später noch etwas mehr.
Samstags 6.30 Uhr passierten wir Trindelen S zwischen der Untiefentonne und dem befeuerten Meßmast. Nach dieser unbefeuerten Tonne hatten wir vor zwei Jahren auf dem Weg nach Bornholm schon einmal in der Nacht lange Zeit Ausschau gehalten, bis wir sie endlich schemenhaft in etwa 50 m Entfernung entdeckt hatten. Heute bildet der befeuerte Meßmast (Was wird da wohl gemessen?) einen gewissen Anhalt.
Klintholm erreichten wir nach 15 Stunden Fahrt um 12.30 Uhr; zweieinhalb Stunden früher als geplant, da ich bei der Törnvorbereitung immer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,5 Knoten ansetze. Ich habe diesen Hafen nie zuvor so leer gesehen.
Klintholm ist sozusagen unser Lieblingshafen. Wenn wir in der Nähe sind, laufen wir ihn immer an. Dafür sprechen die freundlichen Leute, die schönen Sanitäranlagen (inklusive Sauna) und die Fischräucherei, die man zu Fuß gut erreichen kann.


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Der zweite Abschnitt
von Klintholm nach Ystad
(61 Meilen)


Wir liefen sonntags um 6.25 Uhr als erste Yacht aus Klintholm aus. Die Sicht war immer noch ausgezeichnet. Der Wind blies weiterhin mit ca. 4 Bft. aus Ost. Es versprach wieder ein sehr schöner, allerdings auch langer Segeltag zu werden. Gegen ca. 16.30 Uhr erreichten wir etwas östlich von Torp die schwedische Südküste. Wir kreuzten nun entlang der Küste nach Osten und erreichten um 21.10 Uhr Ystad.

Der Yachthafen von Ystad hat uns nicht so gut gefallen, obwohl alles da ist, was man braucht. Die Stadt, die sehr interessant sein soll, konnten wir leider wegen Zeitmangel nicht besuchen.

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Der dritte Abschnitt
von Ystad nach Simrishamn
(35 Meilen)


Am Montag liefen wir um 8 Uhr aus Ystad aus. Der Wind blies immer noch aus Ost, aber nur noch mit 2 bis 3 Bft. Gegen 12 Uhr ließ er uns dann ganz im Stich. Dafür zogen von Westen langsam, aber stetig Cirren auf, die nichts Gutes erwarten ließen. Wir starteten daher den Motor, um möglichst noch vor dem Einsetzen des Regens in Simrishamn zu sein. Wir fuhren nahe der Küste, die sich hier nach NO zieht und uns bei dem immer noch schönen Wetter einen fantastischen Anblick bot. Gegen 15.15 Uhr kam wieder etwas Wind auf, diesmal aus SW. Wir schalteten den Motor aus und setzten wegen des raumen Windes nur die Genua. Das tat uns aber bald leid, denn ein andrer Segler, der auch sein Groß gesetzt hatte, fuhr locker an uns vorbei. Bald darauf liefen wir in Simrishamn ein.
Der Hafen von Simrishamn ist sehr empfehlenswert. Die freundliche Hafenmeisterin kam an das Schiff und nahm auch gleich Brötchenbestellungen auf. (Der Liegeplatz kostet 90 sKr) In Simmrishammn selbst kann man sehr gut essen. Es gibt einige ansprechende Lokale.

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Der vierte Abschnitt
von Simrishamn nach Christiansø
(35 Meilen)


An diesem Dienstag legten wir erst um 9 Uhr ab. Wegen der guten Brötchen dauerte das Frühstück an diesem Tag etwas länger als sonst. Der Wind kam mit ca. 3 Bft. aus Ost, später mit 3 bis 4 aus NW. Der Himmel war zunächst vollständig bedeckt. Gegen Mittag herrschte aber wieder strahlender Sonnenschein. Es war Segeln wie im Mittelmeer. Entsprechend haben wir auch geschwitzt.
Gegen 15.15 Uhr kam Christiansø in Sicht. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn Land in Sicht kommt, und man vorher ringsum nichts als Wasser gesehen hat.

Der Südhafen vor dem Einlaufen

Christiansø ist eine alte dänische Festungsinsel (seit 1684). Der Hafen, ein Naturhafen, ist relativ klein, zumindest in den Bereichen mit ausreichender Wassertiefe. Man muß also immer mit viel Gedränge im Hafen rechnen. Beim Einlaufen um 18 Uhr- wir steuerten den Südhafen an - winkte uns der Hafenmeister längsseits als drittes Schiff an einen Fischkutter.

 

  

Nach dem Klarmachen des Schiffes machten wir uns sofort auf Entdeckungsreise, obwohl man wegen der Kleinheit der Insel hier kaum von Reise sprechen kann. Ein Rundgang dauert kaum mehr als eine halbe Stunde. Man sollte sich diesen aber auf keinen Fall entgehen lassen!
Die Vegetation auf der Insel ist ziemlich karg und erinnert irgendwie an die Alpen. Vielleicht liegt das daran, daß die Hauptinsel Christiansø ganz aus Granit besteht, der hoch aus dem Meeresgrund aufragt. Das gilt auch für die mit einem Drehsteg mit ihr verbundene Insel Frederiksø und die umliegenden Schären. Kurz vor der Küste beträgt die Wassertiefe noch ca. 80m.


Unser Schiff, eine ELAN 431, ATARAXIA

Der Südhafen von Christiansø

Blick von einer der "Batterien" auf den Südhafen

Im Osten von Christiansø liegt diese romantische Ankerbucht.


Bei diesem Anblick fühlt man sich fast in ein anderes Zeitalter versetzt! Der romantische Schoner lag im Nordhafen. Er war mit einer Jugendgruppe unterwegs.

Auf der Hauptinsel findet man unter dem Festungsturm ein sehr gemütliches Gasthaus. Dort trifft sich abends fast die ganze Einwohnerschaft der Insel. Man kann dort auch fürstlich speisen.



Rechts sieht man den Steg, der Frederiksø mit der Hauptinsel verbindet. Er ist drehbar, wird aber normalerweise für die Sportschiffahrt nicht geöffnet.

Die Hafengebühr ist in Christiansø nicht ganz billig (150 dKr). Trotzdem fiel uns der Abschied schwer. Wir werden diese wunderschöne Insel sicher wieder einmal besuchen.



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Der fünfte Abschnitt
von Christiansø nach Hasle
(24 Meilen)

Es war 9 Uhr, als wir Christiansø am Mittwoch bei herrlichstem Sommerwetter und NW-Wind, Stärke 3 verließen. Leider hielt der Wind nicht sehr lange an und wir mußten wieder den Motor starten. Erst kurz vor der Nordspitze von Bornholm kam wieder etwas Wind auf. Wir segelten auf leicht gekräuselter See entlang der Küste um Hammerodde herum. Kaum hatten wir das Kap passiert, war der Wind schlagartig weg. Es ging so plötzlich, daß der Fahrtwind den Baum überkommen ließ. Es war also wieder Motorfahrt angesagt. Um 17 Uhr machten wir in Hasle fest.

Hier haben wir vor zwei Jahren schon einmal gelegen. Es gibt da südlich des Ortes eine Fischräucherei, die man unbedingt besuchen sollte. Wir klarten das Schiff in aller Eile auf und machten uns auf den Weg. Die Enttäuschung war groß, als wir sahen, daß die Fischräucherei bereits geschlossen hatte. Eine freundliche Dame hatte aber Mittleid mit uns und öffnete nochmals. Wir versorgten uns mit reichlich Fisch und wanderten zurück.

Auf dem Hafengelände gibt es einige Bänke und Tische, auf denen wir unser Abendessen einnehmen konnten.



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Der sechste Abschnitt
von Hasle nach Klintholm
(92 Meilen)

Wir verließen am Donnerstag um 9 Uhr Hasle in Richtung Ystad. Der Wind wehte schwach aus Südost. Erst gegen Mittag drehte er etwas recht und nahm auf 3 Bft. zu. Wir erreichten in dieser Phase unter Spi über 8 Knoten. Gegen 15.30 Uhr bargen wir den Spinnaker und fuhren einige Zeit mit halbem Wind, um uns von dem Schießgebiet östlich von Ystad freizuhalten. Später, wieder vor dem Wind, baumten wir die Genua mit dem Spibaum aus. Die Fahrt war fast so groß wie mit dem Spinnaker. Wir hatten aber wesentlich weniger Arbeit mit den Schoten und mußten uns nicht so konzentrieren. Da das Wetter gut war, entschlossen wir uns, die Nacht weiterzufahren, und dafür dann länger in Klintholm Station zu machen. Gegen 22 Uhr nahmen wir Kurs auf Møn. Es war äußerst interessant, an Trelleborg vorbeizufahren und die unterschiedlichsten Lichter zu beobachten. Es herrschte viel Schiffsverkehr.

Dazu noch ein Erlebnis, das mich vom Sinn des Seglerlichtes - rot über grün - im Masttop überzeugte:

Von Norden sahen wir eine Fähre kommen, die hinter uns durch gehen würde. Wir erschraken, als wir plötzlich von der etwa 200 m entfernten Fähre mit einem hellen Scheinwerfer angestrahlt wurden. Ich glaube, daß man von der Fähre aus wegen der relativ unruhigen See nur sehr schwer erkennen konnte, um was für ein Fahrzeug es sich handelte, da man von dort nur unser Hecklicht, das am Heckkorb angebracht war, sehen konnte. Positionslichter, wie wir sie führten - eine Zweifarbenlaterne am Bugkorb und ein Hecklicht am Heckkorb sind einfach zu niedrig angebracht, um bei bewegter See ausreichend gut gesehen zu werden. Mit einem Seglerlicht - rot über grün - im Masttop wäre die Situation wahrscheinlich klarer gewesen.

Um 3 Uhr schlief der Wind ein. Wir waren für die herrschenden Windverhältnisse zu dicht unter Land gefahren.
Nach einer halben Stunde Motorfahrt bekammen wir südlich von Møn wieder Wind. Um 5 Uhr morgens machten wir in Klintholm fest. Mittlerweile war es Freitag.

Wir legten uns erst einmal schlafen. Als wir mittags wieder aufwachten, fanden wir schon die Mahnung der übrigens sehr freundlichen Hafenmeisterin an unserer Reling, die Hafengebühr zu bezahlen. Nachdem wir das erledigt und einige Telefonate geführt hatten, erklärte uns Herbert, daß er am Samstag Abend dringend zu Hause erwartet würde. Nachdem es für Herbert keine Möglichkeit gab, von Møn aus alleine nach Hause zu kommen, blieb als einzige Lösung eine weitere Nachtfahrt mit unserem Schiff übrig.



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Der siebte und letzte Abschnitt
von Klintholm nach Burgtiefe
(63 Meilen)

Wir liefen also schweren Herzens am Freitag um 16.45 wieder aus Klintholm aus. Der Ostwind hielt mit ca. 3 Windstärken bis um 20 Uhr an. Dann mußte wieder der Motor heran. Das Groß ließen wir stehen, da wir bald wieder Wind erhofften. Andererseits wirkte das Segel aber auch sehr stabilisierend, so daß Herbert und Karl, die auf der Heimfahrt die Autos fahren mußten, ruhig schlafen konnten. Um 23.45 Uhr passierten wir Trindelen S. Es wurde sehr diesig. Aus dem Segel lief immer wieder Kondenswasser ins Cockpit. Der Schiffsverkehr hielt sich zum Glück in Grenzen. Wir mußten nur einmal aufstoppen, um ein größeres Schiff passieren zu lassen. Die Sichtweite betrug nur etwa 2 sm, als endlich um 5.20 Uhr Staberhuk in Sicht kam. (Plötzlich war der Leuchtturm weg. Er wurde um Punkt 6 Uhr ausgeschaltet.)
Um 7.40 machten wir in Burgtiefe fest und legten uns ein paar Stunden aufs Ohr, bevor wir das Schiff zurückgaben.

 

Wir haben in diesen knapp 8 Tagen ca. 425 Meilen, davon 120 unter Motor, zurückgelegt. Das Wetter zeigte sich fast durchwegs von seiner freundlichen Seite. Die Temperaturen waren so hoch, daß wir geneigt waren, von "Mittelmeerverhältnissen" zu sprechen. Leider ließ die Windstärke vielfach zu wünschen übrig. Nicht nur, daß der Wind meistens aus der Richtung kam, in die wir segeln wollten, das ist man als Segler ja gewöhnt, aber ein bißchen mehr hätte uns schon gefallen.

 


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aktualisiert am 07. März. 1998